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15 Jahre Strommarktliberalisierung / Präsentation Jahresbericht 2015

15 Jahre Strommarktliberalisierung / Präsentation Jahresbericht 2015

Energiemarktliberalisierung erhöhte Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent

Wien (14. März 2016) – Seit 15 Jahren können österreichische Stromkunden ihren Lieferanten frei wählen. Die Öffnung des Strommarktes 2001 und des Gasmarktes 2002 erhöhte das heimische Bruttoinlandsprodukt kumuliert um 1,3 Prozent und schuf 17.000 neue Jobs. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Wirtschaftsforschers Kurt Kratena im Auftrag der Energieregulierungsbehörde E-Control. Durch die Strommarktliberalisierung ist die gesamte Stromrechnung für einen Haushaltskunden 2014 um 60 Prozent niedriger als in einem Szenario ohne Liberalisierung, für einen Industriebetrieb ist die Stromrechnung um 70 Prozent niedriger. „Der freie Markt hat die Strompreise ordentlich gedrückt. Ohne die Liberalisierung wären die Strompreise deutlich höher als heute“, so Martin Graf, Vorstand der E-Control. Die Preise sind gesunken, weil die Energieunternehmen geringere Gewinnaufschläge erzielten und effizienter wurden.

Durch Liberalisierung Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent höher, 17.000 neue Jobs
Durch die Öffnung des Strom- und Gasmarktes erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt kumuliert um 1,3 Prozent im Vergleich zu einem Szenario ohne Liberalisierung. Rund 17.000 Jobs sind neu entstanden. Im Elektrizitäts- und Gassektor sind entgegen früheren Berechnungen1 nur 400 Stellen weggefallen. „Dieser Arbeitsplatzverlust wurde aber durch neue Jobs in anderen Bereichen mehr als wettgemacht.“ So sind etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Verwaltung 9.000 neue Arbeitsplätze entstanden, in Handel und Verkehr 3.000. Da die Konsumenten und Betriebe weniger Geld für Energie ausgeben mussten, floss das verfügbare Geld in die Wirtschaft und schuf dort neue Arbeitsplätze. „Die Liberalisierung brachte positive Effekte für die Energiekunden, den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsmarkt“, betont Graf. „Die Energieunternehmen mussten ihre Strukturen weiterentwickeln und große Herausforderungen meistern. Die E-Wirtschaft ist auch jetzt stark gefordert, etwa durch die neue Konkurrenz von IT-Firmen.“

Stromnetzentgelte seit 2001 um ein Viertel niedriger
Mit der Liberalisierung ging auch die Regulierung der Netzbetreiber einher. Seit 2001 wurden in Summe um insgesamt rund 6,7 Milliarden Euro weniger Stromnetzentgelte bezahlt und die aktuellen Entgelte liegen im Schnitt um 23,8 Prozent niedriger als zu Beginn der Regulierung. Da die Netzbetreiber natürliche Monopolbetriebe sind, werden die Netzentgelte von der Regulierungsbehörde E-Control festgelegt. Die Stromnetzentgelte machen rund ein Viertel der gesamten Stromrechnung aus. „Die Netzbetreiber sind effizienter und schlanker geworden. Diese Einsparungen wurden durch die Regulierung an die Kunden weitergegeben. Gleichzeitig wurde weiterhin viel in die Netze investiert und Österreich hat nach wie vor eine sehr hohe Versorgungssicherheit und eine der geringsten Stromausfallsdauern Europas“, so Graf.

Österreichs Stromkunden praktisch atomstromfrei
Seit 2004 überprüft die E-Control jährlich die Stromkennzeichnung der Lieferanten. 2014, zehn Jahre nach der ersten Überprüfung, war der an österreichische Kunden gelieferte Strom erstmals praktisch atomstromfrei. Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energieträgern betrug knapp 90 Prozent. Der Anteil von Graustrom und damit auch der Anteil von Atomstrom in Österreich sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Seit 2007 ging der Anteil von unbekanntem Graustrom von 20 Prozent auf nahezu null zurück, faktisch der gesamte an Endverbraucher gelieferte Strom in Österreich ist mittlerweile gekennzeichnet. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist beeindruckend. Der Strom in Österreich hat nun endgültig durchgehend ein Mascherl. Bei so gut wie jeder Kilowattstunde ist bekannt, um welchen Strom es sich handelt“, betont E-Control-Vorstand Martin Graf.

Intensiverer Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt
Der Wettbewerb am heimischen Strom- und Gasmarkt ist zuletzt intensiver geworden, betont Graf. „Immer mehr neue Lieferanten drängen auf den Markt, die Anbieter übertrumpfen sich mit unterschiedlichen Angeboten.“ Am Strommarkt sind seit vergangenem Jahr neun neue Anbieter in den Markt eingetreten (MeinAlpenStrom, aWATTar, TopEnergy, Montana, Care Energy, E-wie Einfach, Mc Strom, Sturm Energie, Gutmann). Am Gasmarkt sind zwei neue Lieferanten hinzugekommen (Leu Energie, Sturm Energie), der Tiroler Gasanbieter Gutmann weitete zudem sein Angebot auf ganz Österreich aus. Insgesamt gibt es in Österreich für Haushalte derzeit 147 verschiedene Stromlieferanten und 33 Gaslieferanten. Die genaue Zahl der Lieferanten und Angebote ist abhängig vom Wohnort. Ein Haushalt in Wien beispielsweise kann mittlerweile zwischen 79 unterschiedlichen Stromprodukten von 38 Lieferanten wählen. Vor zehn Jahren gab es nur elf verschiedene Angebote in Wien. Ein Gaskunde in Oberösterreich hat mittlerweile die Wahl zwischen 49 verschiedenen

Vor zehn Jahren gab es gerade einmal sechs verschiedene Angebote. Ein Drittel der Produkte sind Onlineprodukte, bei denen die gesamte Kommunikation per E-Mail erfolgt, 80 Prozent der Stromprodukte sind Ökostromprodukte. Zur Wahl stehen auch Produkte mit oder ohne Preisgarantie oder sogenannte Floater-Tarife, deren Preise in regelmäßigen Abständen an den ausgewählten Indizes wie z.B. den aktuellen Börsenpreisen angepasst werden. Über ihre Rechte als Energiekonsumenten hat die E-Control Bürger umfassend informiert, zuletzt verstärkt im persönlichen Kontakt. Seit Oktober 2012 wurden in 300 Gemeinden in ganz Österreich Strom- und Gaskunden vor Ort beraten. Auf Publikumsmessen wurden alleine im vergangenen Jahr 650 Einzelberatungen durchgeführt.

Hohe Investitionen in Gasnetze, Speicherkapazität verdreifacht
Der Gasmarkt habe sich seit der Liberalisierung gut entwickelt, sagt E-Control-Vorstand Walter Boltz. „Seit der Gasmarktliberalisierung sind die Investitionen in die Netze signifikant angestiegen. Die heimischen Gasspeicherkapazitäten haben sich seit der Liberalisierung 2002 fast verdreifacht.“ 2002 erfolgte die Beschaffung von Gas nahezu ausschließlich über langfristige Verträge mit Ölpreisbindung. „Das hat sich enorm geändert, die flexible Beschaffung an Gashandelsplätzen, sogenannten Hubs, wird immer bedeutender“, erläutert Boltz. Die Liquidität dieser Handelsplätze ist seit 2008 deutlich gestiegen, auch am Virtuellen Handelsplatz in Österreich. Seit 2009 gibt es zudem eine Gasbörse (CEGH, Central European Gas Hub), an der unterschiedliche Gasprodukte gehandelt werden.
Boltz: „Bedingungen für Gaskunden so gut wie nie“

Die Ölpreisbindung in den langfristigen Verträgen wurde teilweise durch eine Gaspreisbindung ersetzt, die Abnahmeflexibilität in den Verträgen hat sich verändert. Gasgroßhändler haben in Europa weit mehr Optionen als früher. Auch die Gaskunden können von diesen Entwicklungen stärker profitieren: Die größeren Beschaffungsoptionen haben es neuen Anbietern erleichtert, in den Markt für Endkunden einzusteigen und neue Produkte anzubieten. „Die Bedingungen für Gaskunden sind so gut wie nie zu vor seit Beginn der Liberalisierung“, betont Boltz. Kunden können mittlerweile aus vielen verschiedenen Lieferanten und Produkten auswählen, bei Alternativlieferanten sind die Preise sehr niedrig. „Wer wechselt, kann von günstigen Preisen profitieren. Wer nicht wechselt, muss auf Preissenkungen hoffen, diese erfolgen aber nur zögerlich.“

1,6 Millionen wechselten Strom- und Gasanbieter seit Liberalisierung
Ihr Recht, den Lieferanten frei zu wählen, nutzen die Strom- und Gaskunden seit der Liberalisierung immer stärker. Insgesamt wechselten seit 2001 rund 1,6 Millionen Haushalte und Betriebe. Bei Strom wechselten 1,3 Millionen, knapp die Hälfte davon in den vergangenen fünf Jahren. Bei Gas suchten sich seit der Liberalisierung 2002 mehr als 250.000 Gaskunden einen neuen Lieferanten, mehr als zwei Drittel der Wechsel erfolgten in den vergangenen fünf Jahren. „Vor allem in den letzten Jahren wechselten die Österreicher immer häufiger“, so Boltz. Dementsprechend stiegen auch die Wechselraten an. Vergangenes Jahr wechselten bei Strom 2,5 Prozent – deutlich mehr als im Jahresschnitt seit der Liberalisierung (1,5 Prozent). Bei den Gaskunden lag die Wechselrate 2015 bei 3,4 Prozent und war damit mehr als doppelt so hoch wie der langjährige Schnitt von 1,4 Prozent. Insgesamt wechselten im vergangenen Jahr 198.000 Haushalte und Unternehmen ihren Strom- oder Gaslieferanten. Walter Boltz: „Was bei Handyverträgen gang und gäbe ist, wird nun auch bei Strom und Gas immer üblicher. Nämlich Preise zu vergleichen und zu dem für sich günstigsten Anbieter zu wechseln.“

Ersparnisse bei Wechsel binnen fünf Jahren verdreifacht
Warum die Österreicher immer häufiger wechseln, lässt sich zum Teil durch die zuletzt gestiegenen Ersparnisse bei einem Wechsel erklären. „Das Einsparpotenzial hat sich zuletzt rasant nach oben entwickelt. Die Ersparnisse haben sich bei Strom und Gas in den vergangenen fünf Jahren teils verdreifacht“, sagt Boltz. 2011 betrug die maximale Gesamtersparnis bei einem gleichzeitigen Wechsel von Strom und Gas 220 Euro inklusive Neukundenrabatt (Netzgebiet Oberösterreich). Derzeit sind es in Klagenfurt rund 750 Euro, wie aus dem Preismonitor der E-Control für März 2016 hervorgeht (siehe Beilage). Alleine in den vergangenen zehn Jahren sparten sich alle Haushalte und Gewerbebetriebe, die sich einen neuen Lieferanten suchten, rund 174 Millionen Euro bei Strom und rund 55 Millionen Euro bei Gas. Boltz rät angesichts der höchsten Einsparpotenziale seit der Liberalisierung zum Anbieterwechsel: „Wer seinem alten Lieferanten treu bleibt, zahlt drauf.“

48 Stromlieferanten senkten seit 2015 ihre Preise
Seit 2015 haben 48 Stromlieferanten ihre Preise gesenkt, darunter auch die Landesenergieversorger in Salzburg, Steiermark, Niederösterreich, Burgenland, Wien und Vorarlberg. „Der Preisdruck ist deutlich gestiegen“, sagt Walter Boltz. „Viele der Lieferanten haben nun endlich die gesunkenen Einkaufspreise für Strom an ihre Kunden weitergegeben. Besonders von den Senkungen der großen Versorger profitieren viele Kunden.“ Am Gasmarkt senkten seit 2015 neun Gasanbieter ihre Preise, darunter die sechs Landesenergieversorger in Tirol, Steiermark, Vorarlberg, Burgenland, Wien und Niederösterreich. (Eine detaillierte Aufstellung der Preissenkungen findet sich am Ende der Pressemappe.) Weitere Gaspreissenkungen haben Energie AG, Energie Burgenland, Wien Energie und EVN per 1. Mai angekündigt.

Freier Wettbewerb durch Liberalisierung ermöglicht
Ermöglicht wurde der freie Wettbewerb am Energiemarkt durch die Liberalisierung, erinnert Boltz. „Vor der Liberalisierung wurden die Strom- und Gaspreise, die Verbraucher an ihren jeweiligen Versorger zahlten, gesetzlich geregelt. Die Strompreise etwa legte der Energieminister auf Vorschlag einer Preiskommission, in der unter anderem die Sozialpartner und die Stromwirtschaft vertreten waren, fest.“ Es gab in jedem Bundesland einen Monopolversorger, der Kunde hatte keine freie Wahl. „Auch wenn der Kunde mit dem Service unzufrieden war, konnte er den Anbieter nicht wechseln. Von Kunden war damals auch noch gar nicht die Rede – diese wurden als ‚Tarifabnehmer‘ bezeichnet.“ Erst seit der Liberalisierung bilden sich die Preise frei nach dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Umfrage: Jeder fünfte Haushalt kann sich heuer Wechsel vorstellen
Knapp 800.000 Haushalte können sich heuer einen Wechsel des Strom- oder Gasanbieters vorstellen, wie eine Hochrechnung auf Basis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Peter Hajek im Auftrag der E-Control unter 1.000 Personen besagt. „Das Potenzial an wechselwilligen Haushalten ist noch lange nicht erschöpft. Jeder fünfte ist grundsätzlich für einen Wechsel heuer offen“, betont Boltz. Für jene, die gewechselt haben, war der Umstieg leichter als gedacht. Für 81 Prozent der Befragten, die bereits gewechselt haben, ging der Umstieg auf einen neuen Lieferanten „sehr rasch und unkompliziert“. Weitere 13 Prozent stimmten dieser Aussage ebenfalls weitgehend zu. „Neun von zehn Wechslern waren mit Schnelligkeit und Einfachheit des Anbieterwechsels sehr zufrieden oder zufrieden“, fasst Boltz die Umfrageergebnisse zusammen.

Hälfte wechselte online
Mehr als die Hälfte der Befragten, die schon einmal einen Anbieterwechsel durchführten, wechselte den Strom- oder Gaslieferanten online (per Ausfüllen eines Webformulars oder Rücksenden des unterschriebenen Vertrags per E-Mail). „Der Anbieterwechsel wird immer einfacher und kann bei den meisten Anbietern mittlerweile bequem online erledigt werden“, ergänzt dazu Walter Boltz. Neben dem Lieferantenwechsel ist auch der Produktwechsel ein Indikator für den vorherrschenden Wettbewerb. 16 Prozent der Befragten gaben an, bereits einmal bei ihrem bestehenden Anbieter den Stromtarif gewechselt zu haben, auf einen anderen Gastarif sind drei Prozent umgestiegen, so die Ergebnisse der Hajek-Umfrage. Rechnet man Anbieterwechsel und Produktwechsel zusammen, ist seit der Strommarktliberalisierung etwa jeder dritte Haushalt bereits aktiv zu einem günstigeren Stromangebot (bei einem neuen oder einem bestehenden Lieferanten) gewechselt.

Streitschlichtungsstelle der E-Control Anfang des Jahres aufgewertet
Mit Anfang des Jahres wurde die Streitschlichtungsstelle der E-Control aufgewertet. Konsumenten, die sich wegen Problemen mit ihrem Strom- oder Gasunternehmen an die Schlichtungsstelle der E-Control wenden, profitieren von einem verbesserten Verfahren und häufigeren Informationen. Die bisherige Leiterin der Schlichtungsstelle, Gabriele Guggenberger, wurde im Jänner als unabhängige Schlichterin neu bestellt. Hilft die Schlichtungsstelle Konsumenten bei Streitigkeiten mit einem Energieunternehmen, darf sie das Gütesiegel für eine staatlich anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle führen. Das Verfahren selbst ist für den Konsumenten kostenlos. 2015 gab es rund 2.400 Anfragen an die Schlichtungsstelle. Die meisten Anfragen und Beschwerden gab es zu Stromrechnungen und dem Lieferantenwechsel. An der Energie-Hotline der E-Control (0810 10 25 54 zum Tarif von 4,40 Cent/Minute) wurden 2015 rund 6.100 Anrufe bearbeitet, um 13 Prozent weniger als im Vorjahr.

Onlineservices werden rege genutzt
Die E-Control-Homepage verzeichnete 2015 rund 925.000 Besuche, das ist ein leichter Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Strom- und Gaspreisvergleichsrechner der E-Control (www.e-control.at/tarifkalkulator) wurde im vergangenen Jahr 430.000-mal abgerufen. Die im vergangenen Jahr neu eingeführte Onlineplattform „frag.e-control.at“ wird rege genutzt und verzeichnet im Durchschnitt pro Tag ein bis zwei neue Fragen. Die Zahl der mit der E-Control verbundenen Facebooknutzer verdreifachte sich von 2.000 auf mehr als 6.000. Die am häufigsten genutzte Online-Applikation der E-Control war 2015 neuerlich der auf Initiative des Wirtschaftsministeriums eingeführte Spritpreisrechner (www.spritpreisrechner.at). Rund 5,2 Millionen Mal haben sich Autofahrer damit die günstigsten Tankstellen in ihrer Umgebung anzeigen lassen. Der Strom- und Gaspreisvergleichsrechner für Gewerbebetriebe (www.e-control.at/gewerbe-tarifkalkulator) wurde wie im Jahr zuvor rund 20.000-mal genutzt.